Wasserstofftechnologie: Zukunftsthema und aktuelle Entwicklungen

Wasserstofftechnologie hat Potenzial. Nicht nur beim Thema Klimaneutralität, sondern auch, wenn es um Wertschöpfung geht. Eine Chance für das Saarland? „Ja“, so die Wirtschaftsministerin.

 

24. September 2020


Prof. Frank Bauer, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Zukunfts-, Energie- und Stoffstromsysteme (IZES), begrüßte über 200 Teilnehmer zur Online-Veranstaltung „Wasserstoff als Energieträger – Chancen und Potenziale“, die gemeinsam mit automotive.saarland durchgeführt wurde. Mit der Verabschiedung der Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung bekommt das Thema Wasserstoff eine neue Dimension. Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger ist in ihrer Eröffnungsrede optimistisch: „Wir haben die Chance, mit dieser Technologie erfolgreich durch den Strukturwandel zu kommen.“


Betrachtung der kompletten Wertschöpfungskette


Die Bestrebungen der EU und der Bundesregierung für eine zukünftige Wasserstoffwirtschaft sind im globalen Kontext zu sehen. Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), ist davon überzeugt, dass Deutschland einen Großteil seines grünen Wasserstoffbedarfs über Importe decken wird. Bestehende Transportinfrastrukturen (Pipelines usw.) sowie Lieferbeziehungen werden hier eine tragende Rolle spielen. Umgekehrt plädiert Dr. Simone Peter, ehemalige Energieministerin im Saarland und Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie, dafür, möglichst viel grünen Wasserstoff in Deutschland zu erzeugen. Eine heimische Erzeugung minimiert Transportkosten und -verluste und begrenzt die Abhängigkeit von den Exportstaaten. Hierfür müssen Anreize für einen Heimatmarkt geschaffen werden. Aktuell ist grüner Wasserstoff preislich weit entfernt von traditionell aus Erdgas hergestelltem CO2-behafteten grauem Wasserstoff. Thorsten Müller von der Stiftung Umweltenergierecht sieht verschiedene Hebel die Preise anzupassen. Eine einfache Anpassung der EEG-Umlage, wie aktuell diskutiert, greife jedoch zu kurz. Ein zukünftiges Wasserstoffrecht werde mehr als eine punktuelle Regelung betreffen.


Vom großen Ganzen zum konkreten Projekt


Philipp Brammen von der Steag GmbH zeigte auf, was bei geänderten Rahmenbedingungen alles möglich ist. Am Standort Völklingen soll der HydroHub Fenne entstehen, an dem die industrialisierte Wasserstoffproduktion erforscht und getestet werden soll. Mit der Idee wurde bereits der Ideenwettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums gewonnen. Entscheidend für die Umsetzung sei der zuvor angesprochene regulatorischen Rahmen. Eine Vision von einer klimaneutralen Industrie schwebt Samir Khayat von der Initiative IN4Climate.NRW vor. Aufbauend  auf einer Vielzahl lokaler Wasserstoff-Initiativen, ist man mittlerweile in länderübergreifenden Projekten im europäischen Kontext tätig und wirkt aktiv an der Ausgestaltung einer übereuropäischen Wasserstoffwirtschaft mit. Im Saarland wird derweil die Betriebsgenehmigung der ersten saarländischen Wasserstoffelektrolyse und -Tankstelle erwartet, die im Rahmen des paneuropäischen Forschungsprojekts Gencomm entsteht. Hier hat Dr. Bodo Groß von der IZES gGmbH gemeinsam mit den Genehmigungsbehörden im Saarland und Saarbrücken eine gemeinsame Lernkurve durchschritten, von der zukünftige Wasserstoffprojekte im Saarland profitieren werden.


Die Brennstoffzelle, Serienproduktion und vielseitige Anwendbarkeit


Die Brennstoffzelle ist eine vielversprechende Wasserstoff-Anwendung, die über Serienfertigung und Kostendegression vermehrt einsetzbar wird. Zur Unterstützung wird die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie durch den Bund gefördert. Hierfür wurden, bereits vor der Nationalen Wasserstoffstrategie, 1,4 Mrd. € Fördermittel eingeplant. Frau Dr. Kuhri, Programmanagerin bei der NOW GmbH (Programmgesellschaft des Bundesverkehrsministeriums), ermutigt Unternehmen und Forschungsstellen Projekte im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie durchzuführen. Ein wegweisendes NIP- gefördertes Projekt ist „Autostack-Industrie“, indem mehrere Automobil- und Komponentenhersteller sich mit der Standardisierung und industriellen Produktion von mobilen Brennstoffzellen auseinandersetzen. Nach Thomas Mertens, Leiter Technologieentwicklung und Prototypenbau Brennstoffzelle bei der BMW Group, wird für eine Produktion von über 30.000 Brennstoffzellen pro Jahr eine Hochgeschwindigkeitsfertigung mit präventiver Qualitätskontrolle unerlässlich, um die gesteckten Kostenziele zu erreichen. Hierfür ist eine Betrachtung von Fertigungsverfahren in anderen Branchen nötig. Er rechnet damit, dass Brennstoffzellenfahrzeuge und rein batterieelektrische Fahrzeuge sich ab  2025 auf demselben Preisniveau befinden werden. Brennstoffzellen können auch zur stationären Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden. Bei der Robert Bosch AG im Werk Homburg wird ein lokaler Wasserstoffkreislauf verfolgt, der die Umwelteinflüsse und Energiekosten eines Industriestandorts betrachtet. Zusammen mit dem eigens in Homburg entwickelten und im Bosch-Konzern genutzten Energiemanagementsystems sieht Dr. Michael Reinstädler hier ein neues vielversprechendes Produkt, welches die Innovationskraft der Automobilindustrie über den eigenen Kernbereich hinaus demonstriert.


Nächster Kongress Wasserstoff im Saarbrücker Schloss am 25. März 2021



Nach dem Dank an die Referenten, schloss Dr. Pascal Strobel, Leiter von automotive.saarland, den Kongress mit dem Hinweis, dass die ursprünglich geplante Präsensveranstaltung im nächsten Jahr nachgeholt werden soll. Hierzu laden automotive.saarland und das IZES am 25. März 2021 in das Saarbrücker Schloss ein. Thema wird weiterhin die Wasserstoffwirtschaft sein. Wir sind gespannt, was sich bis dahin alles weiterentwickelt hat.

Eine detailliertere Zusammenfassung der Vorträge sowie deren Präsentationsfolien können auf der Veranstaltungsseite des IZES eingesehen werden: http://www.izes.de/de/content/online-seminar-wasserstoff-als-energietraeger-chancen-und-potenziale


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