Neues Förderprogramm unterstützt Unternehmensverbünde in Ihren Projekten zur „Digitalisierung der Wertschöpfungskette“

10. Mai 2017


Das BMBF fördert mit dem Programm "Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen" kooperative vorwettbewerbliche Forschungsvorhaben zur Stärkung der Produktion in Deutschland. Dadurch sollen produzierende Unternehmen besser in die Lage versetzt werden, auf Veränderungen rasch zu reagieren und den erforderlichen Wandel aktiv mitzugestalten. Forschung in und mit kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) wird besonders gefördert.

Insbesondere angesprochen sind produzierende Unternehmen des Mittelstands bei der Entwicklung spezifischer, anwendungsorientierter und beispielhafter Lösungen in Form von cyberphysischen Systemen für die Planung, Gestaltung, Steuerung und Wartung komplexer Wertschöpfungsnetze im Unternehmen und über Unternehmensgrenzen hinweg zu Kunden und Lieferanten. Die Lösungen sind im laufenden Pilotbetrieb sowie unter Wirtschaftlichkeits-gesichtspunkten zu validieren und schrittweise in den beteiligten produzierenden Unternehmen nachhaltig zu implementieren. Dabei sollen die Unternehmen in die Lage versetzt werden, diese Lösungen auch nach Abschluss der Forschungsprojekte selbstständig und dauerhaft zu optimieren.

Gefördert werden Arbeiten zu folgenden Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkten:

  • Entwicklung intelligenter Kollaborationen zur Flexibilisierung der Produktion

    # Methoden zur Verhandlung und zum Vertragsabschluss für eine Zusammenarbeit in automatisierten Wertschöpfungsnetzwerken

    # Schaffung von Voraussetzungen zum vertrauensvollen Interagieren der Unternehmen in sicheren Wertschöpfungsnetzwerken

    # Entwicklung neuer Arbeitsorganisationen (z. B. Prozessmodule)

    #  Methoden zur Integration dezentraler kleinerer Produktionseinheiten in das Wertschöpfungsnetzwerk
  • Einführung sicherer Methoden zum Austausch und zur Speicherung von Produktionsdaten für die Zusammenarbeit in und zwischen Unternehmen

    # Implementierung von Methoden zur Verhinderung unautorisierter Eingriffe in die Prozesse von Unternehmen

    # Einführung von Verfahren zum Know-how-Schutz speziell für KMU
  • Entwicklung smarter Produkte für den Einsatz in der Produktion (Maschinen und Anlagen)

    # Entwicklung vernetzter oder autonomer Produkte für die Produktion unter Einsatz anwenderfreundlicher, adaptiver, robuster und leistungsfähiger Technologien

    # Migration, Adaption, Nachrüstung oder Integration neuartiger Industrie 4.0-Lösungen in vorhandene Maschinen und Anlagen
  • Einführung datengetriebener Beschreibungs- und Geschäftsmodelle im produzierenden Unternehmen

    # Erforschung neuer Methoden und Vorgehensweisen für die Verschmelzung von Internet der Dinge, Dienste und Daten (z. B. Flexibilisierung in der Prozessplanung und -steuerung)

    # Entwicklung resilienter Prozesse für dynamische Wertschöpfungsnetzwerke und Beschreibung und Darstellung von Referenzarchitekturen

    # Entwicklung von Werkzeugen und Methoden für produkt- und serviceorientierte Geschäftsmodelle sowie deren Umsetzung

    # Spezifikation und Umsetzung konkreter Anwendungsfälle

    # Entwicklung KMU-typischer Lösungsmuster

 

 

Ausgehend von Technologie- und Ausrüstungsentwicklungen soll die Fördermaßnahme eine bessere disziplin- und branchenübergreifende Kollaboration in und zwischen den Unternehmen ermöglichen. Neue datengetriebene Innovationen in der Produktion sollen überführbar und einsatzfähig gemacht werden für ganzheitliche "Industrie 4.0-Lösungen". Lösungen für unterschiedliche interdisziplinäre Anwendungsfälle (Use Cases) sind in den Verbundprojekten in geeigneter Form zu verallgemeinern. Der Einsatz neuer Technologien bzw. Produktionsausrüstungen sowie die Entwicklung neuer Anwendungen soll sich den Bedürfnissen des jeweiligen Nutzers im Unternehmen anpassen und nicht umgekehrt. Der konkrete Nutzen für den Anwender im Unternehmen ist zu beschreiben. Die Entwicklung von Methoden zur Qualifikation und Weiterbildung für ein lern- und wandlungsfähiges Unternehmen sollen die Forschungsarbeiten ergänzen.

Gefördert werden risikoreiche und anwendungsorientierte industrielle Verbundprojekte, die ein arbeitsteiliges und interdisziplinäres Zusammenwirken von Unternehmen mit Hochschulen bzw. Forschungseinrichtungen erfordern. Die Koordination und Steuerung der Verbünde soll möglichst durch Anwenderunternehmen erfolgen. Explizit soll unterschiedliches Domänenwissen aus Informationstechnik, Ingenieurtechnik, Arbeitswissenschaft und Betriebswirtschaft zum Aufbau eines sozio-technischen Systems im Sinne von Industrie 4.0 miteinander verbunden werden. Reine Institutsverbünde und Einzelvorhaben werden grundsätzlich nicht gefördert.

Die Konsortien sollten so zusammengesetzt sein, dass eine breitere Anwendung (Branche, Unternehmensgröße, Fertigungstyp, Automatisierungsgrad etc.) erzielt wird. Eine möglichst hohe Beteiligung von KMU an den Verbund¬projekten wird erwartet. Arbeiten, die der Normung und Standardisierung dienen, sind ausdrücklich erwünscht. Maßnahmen zur Ausgestaltung des Technologietransfers sind in geeigneter Form zu entwickeln, damit eine große Breitenwirksamkeit erzielt werden kann.

Hintergrund

Die Bundesregierung hat im Jahr 2014 mit der neuen Hightech-Strategie "Innovationen für Deutschland" (www.hightech-strategie.de) zentrale Aktionsfelder der Zukunftsaufgabe "Digitale Wirtschaft und Gesellschaft", wie beispielsweise Industrie 4.0, Smart Services, Smart Data und digitale Vernetzung benannt. Der Forschungsschwerpunkt dieser Richtlinie trägt zur Umsetzung der neuen Hightech-Strategie sowie des Programms "Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durch Stärkung der Technologiekompetenz, Vertiefung des wissenschaftlichen Austauschs und Unterstützung von Forschung und Lehre bei.

Eine Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten zu Industrie 4.0 wurde seit dem Jahr 2011 in Deutschland gestartet. Die ersten Ergebnisse der Forschungsarbeiten zu einer intelligenten Vernetzung in der Produktion durch den Einsatz neuartiger Cyber-Physischer Produktionssysteme (CPPS) sind veröffentlicht. Für unterschiedliche Anwendungsfälle werden derzeit neue Lösungen entwickelt und in den Unternehmen auf den betrieblichen Hallenboden gebracht. Parallel werden auf der Plattform Industrie 4.0 (http://www.plattform-i40.de) eine Vielzahl von Aktivitäten auf Bundesebene zusammengeführt und koordiniert.

Mit weiteren innovativen Lösungen will das BMBF die Digitalisierung in der Industrie voranbringen und Chancen für Wertschöpfung und Wohlstand in Deutschland eröffnen. Die technische Grundlage hierfür sind intelligente vernetzte Systeme, die in dynamischen Wertschöpfungsnetzwerken für eine erfolgreiche Kollaboration eingesetzt werden. Die eingesetzten Technologien und Anwendungen sollen sich den Bedürfnissen des jeweiligen Benutzers anpassen und nicht umgekehrt.

Zielsetzung dieser Förderrichtlinie ist die Entwicklung und Einführung innovativer Lösungen zu Industrie 4.0. Im Fokus steht dabei die Stärkung der Zusammenarbeit von Unternehmen mit ihren Kunden und Lieferanten unter Betrachtung des Unternehmens als sozio-technisches System. Es sollen unternehmensinterne und unternehmensübergreifende Prozesse entwickelt werden, um eine neue Stufe der Flexibilisierung der Produktion im Verbund zu erreichen. Der Einsatz geeigneter Methoden zum Schutz der Daten soll das unternehmensspezifische Know-how langfristig sichern.

Produzierende Unternehmen in Deutschland sind vor allem auf bestehende Maschinen- und Anlagenparks angewiesen. Daher müssen neue Wege zur Migration, Nachrüstung oder Integration von Industrie 4.0-Lösungen in vorhandene Maschinen und Anlagen konzipiert werden. Um konkrete Mehrwerte durch Vernetzung oder Autonomie erreichen zu können, sollen deshalb neue smarte Produkte für Maschinen und Anlagen entwickelt werden. Die Entwicklung einer vernetzten Produktion ist mit der Möglichkeit zur Schaffung neuer produkt- und serviceorientierter Geschäftsmodelle verbunden. Vor allem auf die Mitarbeiter in den Unternehmen kommen neue Anforderungen zu. Daher ist die Entwicklung von Methoden zur Qualifikation und Weiterbildung für ein lern- und wandlungsfähiges Unternehmen in Industrie 4.0 unverzichtbar.

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Die komplette Bekanntmachung und Förderrichtlinie finden Sie hier:


Ansprechpartner

Jürgen Luckas

produktionstechnik.saarland

Tel.: 0681 9520-493

Fax.: 0681 5846125

E-Mail: juergen.luckas@saaris.de