Automotive: Erfolgreicher Wiederanlauf der Lieferketten – so geht’s!

Der Wiederanlauf der exakt aufeinander abgestimmten Lieferkette stellt Zulieferer und Hersteller der Automobilbranche vor große Herausforderungen. Mit Prof. Thomas Korne, wissenschaftlicher Leiter des renommierten Institut für Produktions- und Logistiksysteme (IPL) und Daniel Wuhrmann von den bekannten Automotive-Rechtsspezialisten reuschlaw konnte automotive.saarland für ein einstündiges Online-Seminar zwei ausgewiesene Experten gewinnen.

 

10. Juni 2020


Etwa 30 Teilnehmer nahmen am ersten Online-Seminar einer neuen Reihe von virtuellen Veranstaltungen des Branchennetzwerkes automotive.saarland teil. Das Thema bewegt derzeit die gesamte Automobilbranche: Der Wiederanlauf der Lieferketten in der Automobilindustrie betrifft alle. Thomas Korne, Professor an der HTW und lange bei Ford tätig, präsentierte Gestaltungsmöglichkeiten und Empfehlungen für einen Hochlauf der Lieferketten nach Corona in Theorie und Praxis. Die Branche rechne mit einem längeren, schwer einzuschätzenden und komplexen Wiederanlauf. Mit einer flexiblen Leistungserbringung von bis zu 20% der bestehenden Produktionskapzitäten müsse seitens der Unternehmen gerechnet werden.


Logistiker und Lieferanten mitverantwortlich für den Erfolg

Wie können OEMs und Zulieferer vorgehen? „Unterschiedliche Szenarien, wie gestartet wird, sollten zu Beginn durchgespielt werden. Möglich sind ein gemeinsamer Start aller, ein zeitlich gestaffelter, ein einschichtiger Anlauf oder Mischmodelle“. Nicht hoch genug einzuschätzen sind dabei die Rollen der Logistiker und Lieferanten. Sie seien mitverantwortlich für den wichtigen Erfolgsstart. Besonders die eingrenzenden Faktoren seien hier zu berücksichtigen. Mit einer klaren Kommunikation, der Festlegung von Verantwortlichkeiten und der Formulierung von Meilensteinen sieht der Experte gute Chancen, einen für alle Beteiligten positiven Anlauf vollziehen zu können.

 

Beim Anlauf Resilienz statt Effizienz

Von neuen Lieferketten rät er in der Anfangsphase ab. Kostendruck und Unsicherheit könnten schnell zu Problemen führen. Beim Logistikmanagement rät Korne die Sicherheitsbestände zu erhöhen und gleichzeitig die Variantenanzahl zu reduzieren. Zusatzbestände für weitere möglichen Corona-Wellen hält er für sinnvoll: „Die Änderungsdynamik kann sehr hoch werden. Es zählt beim Anlauf Resilienz statt Effizienz“. Diese könne dann später, wenn alles wieder in geordneten Bahnen liefe, erneut priorisiert werden. Auch im Änderungs- und Kostenmanagement rät der Experte in der Hochlaufphase zu zurückhaltendendem Vorgehen. Thomas Korne gab zu bedenken, dass der Handelskrieg mit den USA und die europäische Klimaschutzpolitik mitentscheiden werden, wie gut und wie schnell sich die Automobilbranche wieder stabilisiert.

 

Ziel bei Problemen: Gemeinsam die kleinste gemeinsame Basis finden.

Daniel Wuhrmann beleuchtete, aufbauend auf dem Grundlagenverständnis des Vertrags- und Lieferantenmanagements, die rechtliche Perspektive beim Wiederanlauf. Eine aufwändige Einzelbetrachtung von Verträgen, frühzeitige Informationsweitergabe an Kunden und Lieferanten, klare und regelmäßige Kommunikation sowie die Dokumentation der eigenen Möglichkeiten und Bestrebungen seien Voraussetzungen für einen guten Geschäftsverkehr in Zeiten wie Corona. Auf höhere Gewalt oder Unvorhersehbarkeit bei eigenen Verpflichtungen zu hoffen, sei nicht angebracht, so der erfahrene Rechtsanwalt. Ziel sei es bei Problemen, gemeinsam die kleinste gemeinsame Basis zu finden.

 

Große Gesprächsbereitschaft: Alle Beteiligten im selben Boot

Für zukünftige Verträge empfahl Wuhrmann, auch Aspekte wie „was machen wir, wenn…“ mit in die Verhandlungen einzubeziehen. Die Regelungen müssten mit ihren Voraussetzungen und Konsequenzen klar definiert werden. Da zurzeit zahlreiche Projekte nicht beendet werden könnten, müssten belastbare Geheimhaltungsklauseln und Schutzrechte vereinbart werden. Auch er spricht davon, Puffersysteme und Kapazitätsregelungen zu überdenken: „Unter den gegebenen Umständen ist es wichtig, Dellen ausgleichen zu können. Was lange Zeit aufgrund von Effizienzforderungen nicht gewollt war, nämlich die Kosten etwas zu vernachlässigen, ist jetzt mittelfristig doch vertretbar“. Und noch ein Motivationsschub am Schluss: „Alle Betriebe der Branche sitzen momentan im selben Boot. Sie sind mit den gleichen Problemen konfrontiert und deshalb auch gesprächsbereit“.

 

Nächstes Online-Seminar am 24. Juni

Das nächste Online-Seminar findet am 24. Juni statt. Es geht dann um die Effizienz von virtuellen Meetings. Werden sie sich durchsetzen? Homeoffice und Webkonferenzen, denen zuvor oft skeptisch und mit Vorbehalten begegnet wurde, sind zwischenzeitlich in vielen Unternehmen bereits nicht mehr wegzudenken. Umso wichtiger wird es, auf einen effizienten Umgang mit den virtuellen Instrumenten hinzuwirken. Informationen und Anmeldungen unter https://automotive.saarland/termine/artikel/webinar-effizientes-arbeiten-in-virtuellen-meetings/