2015 sorgt für Rekordumsatz und deutliches Beschäftigungsplus im Maschinenbau

IHK Saarland legt Branchenbericht zu Maschinenbau im Saarland vor

 

9. August 2016


Der Maschinenbau im Saarland ist strukturell gut aufgestellt und kann selbstbewusst in die Zukunft blicken. Mit einem Rekordumsatz von 5,5 Mrd. Euro im vergangenen Jahr und mehr als 18.000 Beschäftigten ist die Branche gemeinsam mit dem Fahrzeugbau und der Stahlindustrie ein wichtiger Teil des industriellen Kraftzentrums des Saarlandes. Aktuell wirken die Eintrübung des weltwirtschaftlichen Umfeldes sowie die in Deutschland verhaltende Investitionsnachfrage leicht dämpfend. Positive Impulse bieten dagegen die zunehmende Digitalisierung der industriellen Produktionsprozesse und der Trend in Richtung kundenspezifischer Individual- und Komplettlösungen. Dies sind die zentralen Ergebnisse des Branchenberichts der IHK Saarland zur Entwicklung im saarländischen Maschinenbau, den die Kammer aktuell vorgelegt hat.

Mehr Umsatz und mehr Beschäftigung

Der Maschinenbau im Saarland hat sich im Jahr 2015 besonders dynamisch entwickelt. So erzielten die 46 Betriebe mit jeweils mehr als 50 Beschäftigten, die von der amtlichen Statistik erfasst werden, einen Umsatz von gut 5,5 Milliarden Euro. Das war ein Plus gegenüber dem Vorjahr in Höhe von einem Drittel. Während die Exporterlöse um 15 Prozent zunahmen, verbesserte sich der Inlandsumsatz um 77 Prozent. Die IHK verweist darauf, dass diese außergewöhnlichen Zuwachsraten insbesondere auf zwei Effekte zurückgehen: Zum einen auf die gute Konjunktur, zum anderen auf Umgruppierungen in der amtlichen Statistik. So wurde im Jahr 2010 das Homburger Bosch-Werk), das Common-Rail-Systeme für Dieselmotoren herstellt, vom Fahrzeugbau in den Maschinenbau umgruppiert. Im letzten Jahr folgte die Umgruppierung des Neunkircher Eberspächer-Werkes (1.600 Beschäftigte), in dem Abgas-Systeme produziert werden. Allein hierdurch hat sich die Zahl der Beschäftigten im vergangenen Jahr deutlich auf mehr als 18.000 erhöht. Der Maschinenbau hat sich mit Blick auf Umsätze und Beschäftigung damit im Saarland besser entwickelt als im Bund. Die positive Entwicklung des Vorjahres konnte allerdings im ersten Halbjahr noch nicht fortgesetzt werden. So verzeichnete die Branche angesichts der schwächeren Weltkonjunktur und der geringen Investitionsneigung im Inland einen Umsatzrückgang von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Intensive Geschäftsbeziehungen zum Fahrzeugbau

Wie die IHK weiter ausführt, hat der Maschinenbau hierzulande stärker als im Bund eine Querschnittsfunktion. Die Unternehmen sind in erster Linie Zulieferer für Industriekunden in anderen Branchen. Sie rüsten diese mit fertigen Investitionsgütern oder mit Einzelteilen, Komponenten und Systemen aus, die dort zu Endprodukten zusammengeführt werden. Lange Zeit war der Maschinenbau im Saarland auf die Montanindustrie ausgerichtet. Dieser Schwerpunkt hat sich inzwischen zugunsten anderer Industriebranchen verschoben. Zwar bestehen weiterhin ausgeprägte Beziehungen zur Stahlindustrie, aber andere Branchen, wie die Elektroindustrie oder die Automatisierungs- und Fördertechnik haben relativ an Bedeutung gewonnen. Am intensivsten sind allerdings die Geschäftsbeziehungen zum Fahrzeugbau: Nach IHK-Einschätzung sind derzeit rund drei Viertel aller Beschäftigten im saarländischen Maschinenbau mehr oder weniger für die Automobilindustrie tätig. Weil Teile, Komponenten und Systeme „Made in Saarland“ zunächst in anderen Bundesländern verbaut und dann erst als Endprodukte exportiert werden, führt dazu, dass die Exportquote inzwischen mit 48,7 Prozent unter dem Bundesschnitt der Branche liegt. Werden diese indirekten Exporte aber zum statistisch ausgewiesen Wert hinzugerechnet, ergibt sich eine Exportquote von rund 75 Prozent. Der Export ist nach Ansicht der IHK weiterhin die treibende Kraft. Für den saarländischen Maschinenbau gilt daher: Der relevante Markt ist der globale Markt. Dies verspricht mittel- bis langfristig weitere Wachstumschancen – aber auch Risiken.

Breit gefächertes Produktportfolio

Die Angebotspalette des saarländischen Maschinenbaus hat sich gewandelt und verbreitert. Während die Branche früher auf wenige Produkte für eine Handvoll Firmen spezialisiert war, bietet sie heute ein breit gefächertes Produktportfolio für Industriekunden in aller Herren Länder. Das Sortiment reicht von Werkzeugmaschinen über Armaturen, Kugellager und Pumpen bis hin zu pneumatischen Komponenten und Systemen. Neue Impulse entstehen seit einigen Jahren aber auch aus der Energiewende: Zum Sortiment des Saar-Maschinenbaus zählen getriebelose Windenergieanlagen sowie Komponenten für Windkraftanlagen.

Herausforderungen aktiv angehen


Nach Ansicht der IHK punkten die saarländischen Maschinenbauer mit operativer Exzellenz und Stringenz im Geschäftsmodell. Sie begegnen der steigenden Nachfrage nach individuellen Systemlösungen mit kundenspezifischen Angeboten und teils neuen, erweiterten Geschäftsmodellen. Gleichwohl steht die Branche vor zahlreichen Herausforderungen. Die IHK verweist hier auf eine zunehmende internationale Verflechtung. Auch werden Markteintritte von Low-Cost-Anbietern mit steigenden Produktqualitäten den Wettbewerb in traditionellen Bereichen, in denen das Gütesiegel „Made in Germany“ noch Standard ist, weiter verschärfen. Zudem haben die „vierte industrielle Revolution“ und disruptive Technologien wie der 3D-Druck das Potenzial, Geschäftsmodelle zu verändern und angestammte Märkte zu revolutionieren. Nicht zuletzt werden Ingenieure und technische Fachkräfte zunehmend knapper, so dass der Recruiting-Aufwand steigt.